Resümee 2008

7. Heimkinderausfahrt von Sachsenbike mit Volkersdorfer Tschernobyl-Kindern führte zur Kulturinsel Einsiedel

Dutzende Hupen heulen auf. Das ist das Startzeichen. Langsam setzen sich knapp 100 Motorräder in Bewegung. Vor dem Kinderkurheim Volkersdorf am Dresdner Stadtrand beginnt am Morgen des 24. Mai 2008 die mittlerweile 7. Heimkinderausfahrt von Sachsenbike. Die 52 Kinder, die mit drei Betreuern und einem Dolmetscher in diesem Durchgang aus der Region Tschernobyl zur Erholung in Volkersdorf sind, können sich die Fahrer quasi aussuchen: Rund 80 Motorräder aus ganz Sachsen und zum Teil weit darüber hinaus standen vor dem Heim für die Ausfahrt bereit. Weil die Fahrerinnen und Fahrer in großer Zahl gekommen sind und zudem fast alle einen zweiten Helm oder dicke Jacken mitgebracht haben, gab es keine Probleme mit der Bekleidung für die Kleinen. Nach Anmeldung, einem aufmunternden Morgenkaffee – einige mussten ihre Wecker wegen der langen Anfahrten sehr früh klingeln lassen – und kurzer Einweisung konnte die Tour pünktlich um 9 Uhr starten.

Mit Blaulicht machen zehn Polizeikräder mit Hilfe der Sachsenbike-Ordner den Weg frei, unterstützt von zwei Funkwagen. Dem Tross schließen sich auch drei Sani-Motorräder der Johanniter an, drei Begleitbusse und – zur großen Freude der Zuschauer am Straßenrand – ein „Wanderklo“, auf einen Pickup montiert. Fast unbemerkt blieb nur wenige Meter nach dem Start am Kinderheim eine Maschine mit Plattfuß liegen. Das Kind musste kurz in einen Begleitbus umsteigen. Aber bereits in Radeburg fand sich ein neuer Fahrer. So konnte das Kind auch die erste Pause genießen. Vor der Grundschule der Stadt hatten sich kunterbunt gekleidete Gestalten aufgebaut, Vertreter des Radeburger Carnevals-Clubs. Narren um den Elferrats-Präsidenten Olaf Häßlich verteilten unterstützt von Funkengarde, Narrenpolizei und dem Maskottchen „Fuffi“ Getränke und kleine Geschenke an die Kinder. Die Weiterfahrt verzögerte sich kaum, weil Fahrer und Kinder schon nach kurzem Üben den lauten Schlachtruf „Ra-Buuu“ drauf hatten.

Durch Feld, Wald und Flur der Oberlausitz schlängelte sich der Pulk auf kleinen aber feinen Straßen über Königsbrück, Kamenz und Panschwitz-Kuckau nach Siebitz. Am dortigen Truck-Stop hatte Sachsenbike-Vereinschef René Dahms schon das leckere Kuchenbuffet aufgebaut. Natürlich durften sich die Kinder zuerst nehmen, was Lehrlinge der Dresdner Bäckereifachschule gebacken und die Firma Dr. Quendt an Leckereinen bereitgestellt hatten. Dank der Firma Agrikultur gab es auch genug Getränke. Und natürlich kamen auch die Biker nicht zu kurz. Aber die zog es eher zum Kaffee-Stand von Truck-Stop-Betreiber „Klempi“. Vor der fahrenden Toilette bildete sich die erste Schlange Bedürftiger. Alles ging reibungslos über die Bühne, weil „Betreiber“ Michi Partsch die ungewöhnliche Einrichtung perfekt im Griff hatte. Unter den Organisatoren war hier kurz Unruhe aufgekommen, weil eine Seitenwagenmaschine fehlte. Dessen kleine Besatzung musste unterwegs mal in die Büsche und der Fahrer verpasste im letzten Kreisverkehr die richtige Ausfahrt. Wenig später rollte das Gespann aber unbeschadet auf dem Parkplatz ein. Bei der Abfahrt streikte ein anderes Motorrad wegen schadhafter Elektrik. Für das Kind auf dem Sozius kein Problem, konnte es doch einfach auf eine andere Maschine steigen.

Die nächste Etappe führte über Königswartha zum Olbasee. Im Eifer der Absperrungen waren Polizei und einige Ordner zwar am Eingang zum Parkplatz vorbei gefahren, konnten aber Dank des Polizeifunks wieder zurückgelotst werden. Am See waren das Wanderklo und einige der Motorräder Hauptanziehungspunkte, weil die Fahrer sie für ihre kleinen Mitfahrer angelassen hatten. Vor allem die Jungs ließen es sich nicht nehmen, die Motoren im Leerlauf laut aufheulen zu lassen. Das gab der Ausfahrt noch einen zusätzlichen Kick und förderte zudem den Kontakt zu den Fahrern. Die kramten aus längst vergangenen Schulzeiten ein paar Brocken Russisch hervor. Damit und Dank von Händen und Füßen war Verständigung durchaus möglich. Zur Not stand der Dolmetscher bereit.

So hatten sich bis zum Zielort Kulturinsel Einsiedel in Zentendorf auch schon kleine Freundschaften gebildet. Deren Vertiefung musste aber erstmal warten, weil Peter Wolf auf dem extra abgesperrten Parkplatz das Mittagessen schon bereit hatte. Etliche Biertische vom Globus-Baumarkt waren aufgebaut. Aus „Wölfchens Gulaschkanone“ wurden erst die Kinder und dann die Fahrer und Begleiter mit köstlicher Kartoffelsuppe mit Würstchen versorgt. Nach kurzer Ansprache von Tom, einem der „Kulturinseltrolle“, wie die Chefs genannt werden, ging es für die aufgeregten Kinder zum ersten Rundgang. Von den Sachsenbikern mit Taschenlampen ausgerüstet konnten sie auch die vielen unterirdischen Gänge auf dem weitläufigen Abenteuergelände erkunden. Unterdessen wurde die Polizeieskorte in den Feierabend verabschiedet. Bei den Beamten herrschte Erleichterung vor, weil die Ausfahrt ohne Probleme über die Bühne gegangen war. Sachsenbike und Polizei lobten sich gegenseitig. Auch die Johanniter traten den Rückweg an. Bis auf ein paar Pflaster mussten sie nicht aktiv werden.

Aus den dunklen Wolken über der Neiße fielen ein paar Tropfen und drängten die ersten Fahrer zum Aufbruch. Die Heimfahrt der Biker war diesmal ganz individuell, weil die Kinder von einem Bus abgeholt wurden. Trotz der leichten Regentropfen zum Abschluss haben sich die meisten Fahrerinnen und Fahrer begeistert über die Ausfahrt geäußert und ihr Kommen auch im nächsten Jahr angekündigt. Einige der Fahrer blieben aber und erkundeten gemeinsam mit den Kindern die Kulturinsel. Andere ließen bei später herrlichem Frühsommerwetter vor der Feuerschänke Biergartenatmosphäre aufkommen. Immer wieder kamen einige der Tschernobylkinder dort vorbei und bekamen erfischende Getränke, bevor sie wieder auf Entdeckungstour gehen. Alle gemeinsam traten pünktlich um 17 Uhr zum Abendessen an, zum „Torreroteller“ mit Nudeln und Hackfleisch. Nach einem Gruppenfoto auf dem Parkplatz bekamen die Kinder noch Reisetaschen geschenkt, gepackt mit ein paar nützlichen und auch süßen Kleinigkeiten. Mit einem letzten, lauten, gemeinsamen „Dankeschön“ aus 52 Mündern kletterten die sichtlich müden Kinder in den Bus, der sie nach einem ereignisreichen Tag zurück nach Volkersdorf brachte.

Als Fazit bleibt uns jetzt nur, den seit Jahren treuen wie auch den neuen Sponsoren herzlich für ihre Hilfe zu danken. Auch der Polizei und den Johannitern danken wir auf diesem Wege für ihre Unterstützung. Nicht zuletzt gilt unser Dank den auch diesmal wieder sehr disziplinierten Fahrerinnen und Fahrern, ohne die es solche Ausfahrten gar nicht geben könnte. Die Kinder werden ganz sicher noch lange an diesen herrlichen Tag denken. Hoffentlich bekommt das Heim in Volkersdorf die derzeitigen, akuten finanziellen Probleme geregelt, damit wir alle gemeinsam auch 2009 wieder auf eine Ausfahrt gehen können.

Sachsenbike.de | Volkersdorf.org | Radeburger Carnevals-Club

Fazit des Tages: Wir freuen uns auf 2009 und auf Euch!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*